Selbstvorstellung unserer Vikarin

Liebe Gemeinde,

während ich überlege, wie ich diesen kurzen Vorstellungstext über meine Person beginnen soll, schweifen meine Gedanken ab, wer diesen Text lesen wird und was Sie interessieren könnte...

Als neue Vikarin werde ich die kommenden zweieinhalb Jahre in der Bethlehemskirche (mit)arbeiten –  von Herrn Hoffmann als Mentor begleitet - und so das breite Spektrum des Pfarrberufs vertieft kennenlernen und einüben. Soweit der äußere Rahmen.

Interessieren könnte Sie natürlich auch etwas aus meiner Biographie... 

Als Pfarrerskind und Schwester von vier Brüdern war zu Hause immer viel los und Gastfreundschaft und Herzlichkeit sind mir durch die Zeit zu wichtigen Säulen meines Verständnisses von Gemeinschaft und Miteinander geworden. Ein Jahr habe ich in Buenos Aires, der Hauptstadt von Argentinien, gelebt und studiert. Der Blick in die Ferne und die Anteilnahme an Lebensbedingungen anderer "Lebenswelten" sind geblieben.

Vielleicht möchten Sie auch etwas von meinen theologischen Schwerpunkten wissen, um mich mit Ihrem Vorwissen schon einordnen zu können? Wie jede Theologiestudentin habe ich während des Studiums verschiedene bedeutsame Theologen gelesen und so kennengelernt. Schleiermacher und Barth seien exemplarisch als Begründer zweier großer polarisierender Schulen in der theologischen Welt genannt. Wichtiger als die Lehrer waren mir aber oft die Ränder der Studienfächer – da wo sich die Theorie in der Realität und nicht nur auf dem Papier beweisen muss. Denn Theologie muss (auch) anwendbar sein und der historische wie religionsgeschichtliche Kontext geben weiter Aufschluss über ein tieferes Verstehen.

Gerade während meiner Examensvorbereitung kam ich täglich an der Denkstätte "Weiße Rose" im Lichthof des Uni-Hauptgebäudes vorbei. Wechselnde Zitate der Widerstandsgruppe wurden dort an die Wand projiziert. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, bleibt mir das Wort von Christoph Probst doch eine Lebensaufgabe. "Wir haben durch unsere Haltung und Hingabe gezeigt, dass es noch nicht aus ist mit der Freiheit des Menschen."

Zwänge, Ängste, Druck und Sorgen drängen sich auch heute in unser Leben. Der christliche Glaube und das Wort Gottes sind aber Zeugen einer anderen Realität, auf die wir hin leben können.

Davon ausgehend interessiert Sie dann vielleicht noch mehr, wie ich mich in die Gemeinde einbringen werde... und da bin ich genauso gespannt wie Sie! Ich werde wie meine Amtskolleginnen und -kollegen Gottesdienst halten und den Gemeindealltag mitgestalten. Immer wieder werde ich auch wochenweise im Predigerseminar sein. Dort setzt sich das Studieren und Reflektieren im Team der Vikarinnen und Vikare fort. Dozierende der Landeskirche und der Ausbildungsstätte begleiten das Lernen und machen uns fit für die Praxisfelder.

 Ich freue mich sehr, Sie im Gottesdienst oder bei einem Geburtstagsbesuch zu treffen oder Sie bei einem Gespräch vor der Taufe, Trauung oder Beerdigung kennenzulernen. Ebenso werde ich auch an der nahegelegenen Grund- und Mittelschule unterrichten und Sie werden von ihrem Kind oder Enkelkind von mir hören.

Sollten noch wichtige Fragen Ihrerseits offen geblieben sein, sprechen Sie mich bitte einfach an, wenn Sie mich das nächste Mal sehen. Ich freue mich sehr auf ein gesegnetes Miteinander und auf die Gemeinschaft, die das Unmögliche möglich macht – im Dienen frei zu werden.

Ihre Hanna Stahl

September 2015