Trauung

Eins plus eins ist eins                                                                             

Der Entschluss zur Trauung gehört zu den persönlichsten Entscheidungen, die man in seinem Leben trifft, denn man vertraut sich mit seinem ganzen Leben einem anderen Menschen an. Deshalb kommt der Entscheidung, wem man sich hingibt, so weit reichende Bedeutung zu.

Das Spannende an der Sache ist, dass man diese Entscheidung auf Hoffnung hin treffen muss, denn eine Garantie, dass es gut gehen wird, gibt es nicht. Auch die kirchliche Trauung ist keine solche Garantie. Die Ehe ist ein Wagnis – ein Wagnis allerdings, das Gott mit Wohlwollen betrachtet. Eines nämlich ist erstaunlich: In der Bibel lesen wir im ersten Gebot, dass wir uns kein Bild von Gott machen sollen. Gleichzeitig steht in derselben Bibel in der Schöpfungsgeschichte nur wenige Seiten zuvor, dass Gott selbst ein Bild von sich gemacht hat, nämlich den Menschen, den er zu seinem Ebenbild schuf.

Und diesen Menschen schuf er als Mann und Frau. Das bedeutet, dass wir erst im Miteinander, in der Gemeinschaft mit anderen Menschen zum Ebenbild Gottes werden. Wer nur an sich selbst denkt, verfehlt sein Ziel und lebt im Grunde umsonst. Erst wer in Beziehung zu anderen Menschen tritt, wird selber Mensch. Dieses Menschwerden, dieses In-Beziehung-Treten ist beileibe nicht nur in der Ehe möglich. Das geschieht genauso unter Frauen, die sich lieben, oder unter Männern; das geschieht zwischen Eltern und Kindern oder zwischen feindlichen Soldaten, die die Waffen weglegen und einander die Hände reichen. Als Ebenbild Gottes erweisen wir uns da, wo wir nach gelingenden Beziehungen streben.


Die Ehe nun hat Gott unter allen Beziehungen mit seinem besonderen Segen belegt, denn in ihr wird unser Menschsein in allen Schichten angerührt, bis hinein in unsere Seele und in die letzte Faser unseres Körpers, ja bis hinein in unsere Zukunft, indem wir Kinder bekommen können. Das unterscheidet die Ehe von anderen Beziehungen. Wer heiratet, steigt in eine Unternehmung ein, die Gott selbst so gewollt hat. Mit der Ehe beteiligen wir uns am Auftrag Gottes an uns Menschen, gelingende Beziehungen zu verwirklichen im Zusammenleben untereinander, Gräben zu überwinden, Frieden zu stiften.
Ohne Liebe geht da gar nichts. Ohne Liebe erreichen wir kein Ziel. Mit der Liebe aber geht viel. Denn die Macht der Liebe ist groß. Gott segnet die Liebenden und stellt sich an ihre Seite. Es tut jeder Ehe gut, mit Gott und seiner Gegenwart zu rechnen. Denn dann stimmt auch die folgende Gleichung: Eins plus eins ist drei.
Pfr. Michael Hoffmann